Hallo Japan – Familie Hutzenlaub wandert aus – Lucinde Hutzenlaub

Japaner sind höflich. Sie sind außerordentlich höflich.
Sie sind sogar so höflich, dass sie, wenn du hingefallen bist, über dich hinwegsteigen, um dich nicht zu blamieren.

Von solchen und anderen bizarren Erfahrungen berichtet Luzinde Hutzenlaub in ihrem Buch Hallo Japan. Weil ihr Mann Holger einen Job in Japan bekommt, verlassen die beiden mit ihren vier Kindern die deutsche Heimat und ziehen nach Tokio.

Meinung

Ohne sich selbst zu ernst zu nehmen, berichtet Lucinde Hutzenlaub in lauter kleinen aber feinen Anekdoten von ihrem Alltag und auch den nicht ganz so alltäglichen Tagen in Japan. Ich hatte beim Lesen sehr viel Spaß. Ein paar Dinge waren mir zwar bekannt, aber von vielen kleinen Details hatte ich noch nichts mitbekommen.

Ich wusste zum Beispiel, dass Japaner mit deutschen Namen unüberwindbare Schwierigkeiten haben ;). Dass das nicht nur die Aussprache betrifft, sondern bis auf die Tieradoption durch durchschlägt, war mir allerdings neu:

„Einen Namen hat der Kater natürlich auch: Shima (für Insel), Ray (für Marias liebsten Freund), Sky (für die blauen Augen) und Hoiger (weil der Tierarzt einen Nachnamen brauchte, Hutzenlaub zu kompliziert fand und meine Schrift nicht lesen konnte). Ich bevorzuge Shima. Und warte darauf, dass er endlich schnurrt.“

So plätschern die Erzählungen fröhlich vor sich hin. Ich war mitten im Buch, als plötzlich das Chaos ausbrach. Die Überschrift hieß:
Tokio, 11. März 2011 gegen 14:30 Uhr.

Irgendwo zwischen all den Anekdoten hatte ich vergessen, dass in jenem Jahr das schwere Erdbeben war.

Lucinde Hutzenlaub beschreibt die Ereignisse eindrücklich und ich konnte ihre Sorgen richtig nachfühlen. Ich fand es … sehr bewegend.
Viel mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

Schreibstil

Hallo Japan ist flüssig lesbar, kurzweilig und leicht verständlich. Es kommen ein paar japanische Ausdrücke im Buch vor, die aber alle erklärt werden. Es wird allerdings absolut subjektiv erzählt. Wer Fakten sucht, wird also enttäuscht werden.

Fazit

Am Ende der Lektüre angekommen, weiß ich, was „Klohschuhe“ sind und wie leicht das Segnen des Fundaments mit einer Beerdigung verwechselt werden kann. Ich weiß, dass ich niemals einen „Korean Body Scrub“ mitmachen möchte und dass man Ende Januar nicht mit Sommerreifen auf Fuji-San hochfahren sollte …
Okay, ich gebe zu, die Klohschuhe kannte ich schon.

Hallo Japan ist ein eindrücklicher Bericht, den ich jedem ans Herz legen möchte, der ein bisschen mehr über Japan erfahren will. Und das Ganze bitte unterhaltsam.


Teil meiner Sachbücher 2015

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