Im Café der verlorenen Jugend – Patrick Modiano

Rätsel um Louki.

Ich habe das Buch gelesen, weil mich interessiert hat, was für ein Schriftsteller der Literaturnobelpreisträger 2014 ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich das Buch unter anderen Umständen in die Hand genommen hätte, ist gering.
Beim Lesen war es zeitweise interessant. Größter Pluspunkt ist der Sprachstil des Autors.

Inhalt

„Paris in den 60er Jahren: Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Mit ihrem Geliebten, dem angehenden Schriftsteller Roland, streift sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem „Café der verlorenen Jugend“, glaubt Louki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat.“ (Quelle: Kurzbeschreibung zum Buch bei Amazon)

Die Geschichte wird von vier verschiedenen Personen geschildert. Sie erzählen in der Ich-Perspektive von ihren Erinnerungen an Louki. Louki selbst erzählt von ihrer Kindheit und Jugend.
Der erste Erzähler ist ein namenloser Besucher des Condé. Von ihm erfahren wir, wie Louki ins Condé kam und „Louki“ getauft wurde.
Der zweite Erzähler ist der Detektiv Pierre Caisley. Er wurde von Loukis Ehemann beauftragt. Von ihm erfahren wir endlich ihren richtigen Namen: Jacqueline Choureau, geborene Delanque.
Der dritte Erzähler ist Louki. Von ihr erfahren wir etwas über ihre frühe Vergangenheit.
Der vierte Erzähler ist Roland, Loukis Liebhaber. Von ihm erfahren wir mehr über ihr gemeinsames Leben.

Meinung

Dass es sich nicht um leichte Lektüre handelt, war mir von vorneherein klar. Dass es der Geschichte so an Spannung mangeln würde, hat mich doch überrascht.
Es geht um Louki, von der man nur nach und nach etwas erfährt. Es ist jedoch ziemlich deutlich, dass sie schon vor einiger Zeit aus dem Leben der drei anderen Menschen getreten sein muss. Sie erzählen nacheinander von ihrer Begegnung mit Louki. Dabei sind immer wieder plötzliche Zeitsprünge in der Erzählung, wenn sich die Erzähler plötzlich an ein weiteres Bruchstück erinnern. So wie wenn man tatsächlich über jemanden spricht. Leider hat es das für mich anstrengend zu lesen gemacht.

Irgendwann während des Lesens kam mir der Gedanke: „Das ist wie 8 Blickwinkel. Nur ohne Aktion.“ Nicht dass wir uns missverstehen. Ein Buch braucht nicht unbedingt Aktion, um spannend zu sein. Aber so wie man in dem Film die Szene nacheinander aus verschiedenen Blickwinkeln sieht, wird Louki in Im Café der verlorenen Jugend aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Die Spannung in dem Buch entsteht eigentlich nur durch das Rätsel, das Louki umgibt. Eine richtige Handlung, ein roter Faden war für mich nicht erkennbar. Auch brauchte ich lange, bis mir klar wurde, worum es so ungefähr gehen soll.

Die Hauptfiguren hängen alle der Vergangenheit nach und scheinen sehr melancholisch.
Immer wieder erhält der Leser bruchstückhafte Erinnerungen. Gleichzeitig hatte ich bis zum Schluss das Gefühl, dass noch etwas Wichtiges fehlt. Dass der Autor absichtlich Dinge verheimlicht. Das hat mich geärgert.

Ich würde Im Cafe der verlorenen Jugend als sehr französisch beschreiben. Doch ich habe für dieses Urteil noch nicht genug französische Literatur gelesen.

Zitat

Ich suchte im Wörterbuch nach „Bohemien“: Person, die ein unstetes Leben führt, ohne Regeln, ohne Sorgen ums Morgen. Das ist eine Definition, die auf die Besucher und Besucherinnen des Condé genau passte.

Sie hatte die Worte „linkes Seineufer“ gebraucht, als wäre die Seine eine Demarkationslinie, die zwei einander fremde Städte trennte, eine Art Eiserner Vorhang.

Schreibstil

Der Schreibstil des Autors hat mir an sich gefallen. Seine Beschreibungen und die Art, wie er die Gedanken der Personen wiedergibt, fand ich sehr passend. Der Autor erzählt sehr ausdrucksstark trotz seiner zurückhaltenden Figuren. Die Farben, die Atmosphäre und die Eindrücke sind sehr lebendig.

Die Figuren und vor allem Louki selbst bleiben hingegen unklar und verschwommen. Obwohl ich viel über Louki gelesen habe, konnte ich sie doch nicht wirklich verstehen oder mich in sie hineinversetzen. Das Rätsel blieb ungelöst. Mit den anderen Erzählern ging es mir ähnlich.

Ich kann mir vorstellen, dass es für jemanden, der Paris kennt, interessant ist, die ganzen Straßen und Orte nachvollziehen zu können. Für mich war es jedoch etwas zu detailreich beschrieben, wann wer an welcher Straßenecke abbog.

Fazit

Ich würde das Buch niemandem empfehlen, der leichte Unterhaltung sucht.
Für jemanden, der sich für Stil und Klang der Sprache interessiert, könnte Im Café der verlorenen Jugend hingegen interessant sein. Der Schreibstil ist wirklich außergewöhnlich. Sehr klar und einfach gehalten.

Im Großen und Ganzen hat mich Im Café der verlorenen Jugend jedoch nicht überzeugt. Die Figuren waren zu blass und zu weit von mir als Leser entfernt, als dass ich wirklich mit ihnen hätte fühlen können. Am meisten gestört hat mich, dass lange erzählt wird, ohne dass man wirklich weiß, worum es geht.

Abschließend vergebe ich 4,3 von 10 Punkten.

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