Indexing – Seanan McGuire

Was wenn Märchen echt wären? Und was wenn sie die Leben unzähliger Menschen terrorisierten?
In Indexing werden Märchen regelmäßig lebendig. Nur die Mitarbeiter des ATI Management Büros können sie aufhalten und die unwissende Bevölkerung schützen.

Es handelt sich bei Indexing um den ersten Band der Indexing Reihe von Seanan McGuire.

Inhalt

“Never underestimate the power of a good story.”

Good advice…especially when a story can kill you.

For most people, the story of their lives is just that: the accumulation of time, encounters, and actions into a cohesive whole. But for an unfortunate few, that day-to-day existence is affected—perhaps infected is a better word—by memetic incursion: where fairy tale narratives become reality, often with disastrous results.

That’s where the ATI Management Bureau steps in, an organization tasked with protecting the world from fairy tales, even while most of their agents are struggling to keep their own fantastic archetypes from taking over their lives. When you’re dealing with storybook narratives in the real world, it doesn’t matter if you’re Snow White, Sleeping Beauty, or the Wicked Queen: no one gets a happily ever after. (Quelle: Kurzbeschreibung zum Buch)

Meinung

Indexing ist eine Geschichte über Märchen, aber sicherlich keine Kindergeschichte.
Gleich vorweg: Ich finde die Geschichte total fazinierend. Es gibt Märchen, aber sie sind nicht wir wir sie kennen und es gibt in der Regel auch kein »sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage«. Stattdessen besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Hauptfiguren und meistens auch einige unschuldige Passanten … sterben.

Die Hauptfigur Henry – eigentlich Henrietta, aber alle nennen sie Henry – ist ein Schnewittchen, das noch nicht erwacht ist. Aber eines Tages wird sie, so will es ihre Geschichte, durch einen Apfel vergiftet werden. Sie kämpft nicht nur gegen dieses Schicksal an, sondern versucht auch mit ihrem Team, das aus einem Schuhmacher, einer bösen Schwester und immerhin einem normalen Menschen besteht, all die anderen Märchen aufzuhalten.

Die Welt, die McGuire beschreibt, folgt ihren eigenen Regeln und denen bleibt sie treu. Dadurch entstehen für die Figuren außergewöhnliche Schwächen, mit denen sie zu kämpfen haben. Und, was mich besonders fasziniert hat, McGuire hat es geschafft, dass ich für eine böse Schwester Empathie empfand und mit ihr mitgefiebert und gehofft habe, obwohl sie offensichtlich den Drang hat, andere zu vergiften oder ihnen anderweitig Schaden zuzufügen.

Ich liebe den neuen Blickwinkel, den das Buch auf Märchen bietet. Man kann sich total schnell in die Figuren hineinversetzen. Die Aufteilung der Kapitel in verschiedene »Märchenfälle« ist auch sehr schön, weil man schon zu Beginn einen Hinweis darauf bekommt, in welche Richtung es weiter geht, und trotzdem immer wieder von den verschiedenen Wendungen überrascht wird.

Zitat

“Under what circumstances, ever, in this universe, would you hope that anyone was Sloane?”
“Our lovely young Miss Winters is probably relieved to wake up every morning and find that she remains Sloane, rather than becoming the nameless antagonist in some larger narrative,” said Jeff, stepping out from behind a filig cabinet.

Schreibstil

Die Geschichte lässt sich gut und flüssig lesen. Das Englischlevel würde ich als fortgeschritten bezeichnen: Ich musste zu Beginn einige Begriffe nachschlagen, die häufig vorkamen.
McGuiere hat das großartige Talent, sehr bildlich zu beschreiben, ohne dass es den Lesefluss stört und auf eine Weise, durch die erfrischend ist und viel Spaß beim Lesen macht.

Was für mich als deutsche Leserin eher schwierig wurde, waren die englischen Namen der Märchenfiguren. Mit manchen Figuren, wie z.B. Mother Goose (Mutter Gans?) konnte ich nichts anfangen. Ich glaube aber auch nicht, dass das sonderlich schlimm war. Die Märchen, die ich kannte, ließen sich meist nach den ersten paar Zeilen identifizieren. Für kurze Verwirrung hat bei mir auch der Name Snow White geführt. Ich wusste zwar, dass Schneewittchen so genant wird, aber nicht dass auch eine der Schwestern aus Schneeweißchen und Rosenrot im englischen diesen Namen trägt.

Nichtsdestotrotz bietet Indexing einen großen Lesegenuss durch die gelungenen Formulierungen und die raffinierte Nutzung verschiedener Perspektiven.

Fazit

Mit Indexing taucht man ein in eine faszinierende, düstere und sehr verstrickte Welt, die einen Märchenfreund auf jeden Fall begeistern kann. Die Hauptfiguren haben Tiefe und man kann in jedem Kapitel wieder etwas Neues über sie erfahren.

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung der Geschichte.

2 Gedanken zu “Indexing – Seanan McGuire

  1. Ich bin ja inzwischen ein ganz schreckliches Fangirl, wenn es um die Texte von Seanan McGuire geht, und freu mich jedes Mal sehr, wenn ich auf jemanden treffe, der ein Buch von ihr genossen hat. 🙂

    Viel Spaß mit „Indexing Reflections“ – da wirst du noch so viel mehr über die verschiedenen Charaktere erfahren! 😀

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