Rede mit ihnen! Prävention bei ungehorsamen Charakteren

Kürzlich habe ich davon berichtet, das mein größtes Problem beim Schreiben ungehorsame Charaktere sind.
Hier soll es um die Prävention gehen. Damit es gar nicht erst soweit kommt.

Du musst deine Charaktere kennen, um zu verstehen, warum sie etwas tun.
Die Weisheit stammt nicht von mir. Ist aber trotzdem wahr 😉

Die eigentliche Frage ist jetzt, wie lerne ich meine Charaktere am besten kennen?
Einen Steckbrief habe ich in der Regel schon. Damit fange ich an, wenn ich meine Charaktere entwerfe. Allerdings weiß ich danach noch nicht, wie sie reden, wie sie agieren und wie sich das ausdrückt, was ich unter „Zielen“ in einem knappen Satz beschrieben habe.

Rede und Antwort

So merkwürdig das im ersten Moment klingen mag, so hilfreich ist es für mich meine Charaktere zu interviewen.
Für den Anfang reichen da die typischen Fragen:

Wer bist du? Was magst du? Was hasst du? Wohin willst du? Hast du irgendwelche Fähigkeiten? Und so weiter.

Wobei es auf den Interviewpartner ankommt, ob ich das Interview „im Freien“ durchführe oder in einem „magischen Raum“, der alles Übernatürliche blockiert. Je nachdem, was zweckmäßiger erscheint. Schließlich will keiner einen Feuerball ins Gesicht bekommen, oder?

Reden lassen

Es gibt aber auch die schüchternen Charaktere, die Geheimnisvollen, die Verschlossenen. Gut möglich, dass die bei einem Interview einfach gar nichts sagen. Und sie nur reden lassen, weil das eben für ein Interview notwenig ist, bedeutet, den Charakter zu verdrehen. Danach weiß ich weniger als davor über ihn.

Da ist schon etwas Einfallsreichtum gefragt.

Ein Tagebucheintrag ist das Einfachste. Einen Fragebogen zu einem passenden oder lustigen Thema könnte dein Charakter auch ausfüllen.
Was aber, wenn dein Charakter weder schreiben noch lesen kann? Vielleicht spricht er ja gerne mit Tieren und erzählt ihnen alles – wie Disneys Dornröschen.

Das zweite Gespräch

Nachdem ich mit einem Charakteren geredet habe (oder ihn habe reden lassen), habe ich einen ganz guten Eindruck von seinem Charakter und seiner Gedankenwelt.
Für mich ist allerdings eine Charakterentwicklung im Laufe der Geschichte wichtig. Ich möchte, dass meine Charaktere nicht nur auf der Stelle treten. Sie sollen etwas dazu lernen – ob gut oder schlecht ist unwichtig.

Das Problem daran ist, dass die Entwicklung die ich am Anfang plane, nicht unbedingt so stattfinden muss, wie sie soll. Das kann dann leicht dazu führen, dass sich ein Charakter verweigert.

Daher lasse ich meinen Charakter nicht nur einmal am Anfang reden. Gerade wenn mein Charakter vor oder hinter einem Wendepunkt steht, befrage ich ihn noch einmal. Wenn auch nicht so ausführlich.
Hat sich etwas geändert? Hat es sich so geändert, wie ich dachte?
Wenn alles passt, kann es weiter gehen.

Wenn es nicht mehr passt, gibt es immer noch die Nachsorge. Was ich unternehme, wenn meine Charaktere doch mal ungehorsam waren, beschreibe ich in einem anderen Post.

Reden ist sicherlich nicht die einzige Möglichkeit, um die eigenen Charaktere kennen zu lernen. Was sind deine Tricks und Methoden?

Schreibe einen Kommentar