Leseprobe: Im Schatten der Feuerblume

Kapitel 1

Mikael öffnete die Hintertür zum Gasthaus ZUM ROTEN FLUSS, griff nach den schweren Wassereimern und trat über die Schwelle. Er war ein schlaksiger Junge mit aschblondem Haar und schiefer Nase. Warme, nach Getreidebrei und Kohl duftende Luft schlug ihm entgegen. Was ihm jedoch nicht entgegenschlug war das typische Gegröle aus dem Speiseraum. Mikael wusste sofort, ein Fremder musste das Gasthaus betreten haben.

Seine Mutter stand am Durchgang zum Speiseraum. Als Mikael die Türe schloss, drehte sie sich zu ihm um.

„Du hast dir Zeit gelassen, mein Junge.“ Seine Mutter musterte ihn kurz und wandte sich dann dem Essen für die Gäste zu. „Hast du wieder geträumt?“

Mikael winkte ab. „Nein, Mutter.“ Seit dem letzten Winter war sie sehr beschützend geworden. Er schob sich an ihr vorbei, um in den Speiseraum zu kommen.

„Du bist doch nicht am Friedhof vorbeigelaufen?“

Mikael hielt inne. „Nein, Mutter“, murmelte er. Die letzten Winter hatten seine vier Geschwister dahingerafft. Er hatte als einziger das fünfzehnte Lebensjahr erreicht.

Ihre besorgten Augen blickten auf ihn nieder und sie strich über seine fransigen Haare. Doch bevor sie noch etwas sagen konnte, straffte er die Schultern und trat in den Speiseraum. Er hatte kein Verlangen nach den traurigen Erinnerungen an seine Geschwister.

Ein Blick durch den kleinen Raum bestätigte Mikaels Vermutung. Die anderen saßen alle noch dort, wo er sie zurückgelassen hatte, als er Wasser holen ging. Aber an dem kleinen Tisch am Fenster saß ein Fremder und ließ den Stuhl, auf dem er saß, fast unter sich verschwinden. Er musste aus Albland gekommen sein. Ein Hebreicher wäre Mikael auf seinem Weg zum Fluss schon begegnet.

Mikael blieb stehen, um den Fremden zu beobachten. Er fragte sich, was für Geschichten ihm der Fremde wohl erzählen konnte. Mit den dunklen Augen, dem dunkelgrünen Schulterkragen, dessen Kapuze zurückgeschlagen war, und den Lederstiefeln wirkte er rau, fremd und wild. Wie ein Abenteurer, ein Jäger, vielleicht ein Dämonentöter. Er glich in nichts den vornehmen Händlern, die sonst die Grenze passierten, oder den Dunkelfurthern mit ihren schlichten Kitteln und Bundschuhen. Es konnte wahrlich eine spannende Geschichte werden. Die Neugierde hätte den Dunkelfurthern wohl einige Fragen entlockt, aber ihr angeborenes Misstrauen, vor allem Fremden gegenüber, ließ das Schweigen andauern.

Schließlich brach der Fremde das Schweigen: „Ihr seid Bauern, nicht wahr?“
„Das simma“, rief der Schweinefritz, mutig durch seine Angetrunkenheit. Als er sich erhob und auf den Fremden zuging, schwankte er. „Siesch’ du das?“ Er deutete auf sein rotes Beinkleid.
Der Fremde hob beide Augenbrauen und wartete.
„Wir sind frei.“
Mikael rollte mit den Augen.

„Ich habe schon davon gehört“, erwiderte der Fremde, „dass die Grenzdörfler es nicht so ernst mit den Gesetzen nehmen. Graue Kleidung für die Bauern in Albland. Braune Kleidung für die Bauern in Hebreich. Doch ihr seid wahrlich ein bunter Haufen.“

„Wohl wahr!“ Einige der anderen Gäste lachten über des Fremden Worte. Einer erhob sich und reckte seinen Krug in die Höhe. „An wessen Gesetz sollten wir uns auch halten? Wir können ihnen nicht beiden gerecht werden, also halten wir uns an keines.“ Zustimmend wurde gegrölt und dem Sprecher zugeprostet. Dieser setzte sich wieder und nahm einen großen Schluck aus seinem Krug.
Mikael nutzte den kurzen Moment der Ablenkung, um den Schweinefritz zurück auf seinen Platz zu schieben. Er konnte sich schließlich kaum mehr auf den Beinen halten.
Dann wandte er sich an den Fremden. „Speis und Trank?“

„Ein Bier und was auch immer die Küche herzugeben vermag.“
Aus Gewohnheit fragte Mikael noch, ob der Herr ein Bett für die Nacht wünsche. Dieser verneinte. Mikael zögerte kurz, denn es war schon spät und bei Nacht zu reisen war nicht nur ungewöhnlich, sondern auch gefährlich. Aber darum hatte er sich eigentlich nicht zu sorgen.

Nun da die Stille gebrochen war, wagten sich die anderen Gäste mit ihren Fragen hervor.
„Was verschlägt dich nach Dunkelfurth? Was gibt es Neues in der Welt?“ so wurde der Fremde von den anderen Gästen bedrängt. „Und wer bist du überhaupt?“
Gerade als Mikael das Getränk vor ihm abstellte, antwortete er: “Ich bin Torge Lerb. Ich bin Monsterjäger und der Welt geht es immer noch schlecht. Nichts Ungewöhnliches und nichts Neues. Aber sagt, habt ihr von Monstern gehört? Hier in der Gegend oder außerhalb?“

Die Fragen verstummten schlagartig. Die Stille war wieder da. Mikael beäugte den Mann argwöhnisch. Natürlich hatten die meisten schon von Monstern gehört. Vorwiegend von toten, bösartigen Kreaturen. Ihre Bezwinger kamen nur allzu gerne über die Grenze. Wohl aber eher um sich abzusetzen. Mit solchen Leuten wollten die Dunkelfurther nichts zu tun haben.

Mikael räusperte sich und forderte den Gast zum Bezahlen auf. Fremde mussten sofort bezahlen, denn ihnen war nicht zu trauen. Wenn sie mit Monstern zu tun haben wollten, sowieso nicht.
Nichts desto trotz wollte Mikael eine Geschichte. Also nahm er seinen Mut zusammen und beugte sich zu dem Mann vor. Möglichst geheimnisvoll raunte er: „Ich wüsste etwas über ein Monster. Wenn du mir einen Grund gibst, dieses Wissen zu teilen.“

Ein Grinsen schob sich auf Torges Gesicht und entblößte eine Reihe gesunder Zähne.
„Willst du Geld?“
Mikael machte Anstalten sich wieder zu erheben.
„Nein, bleibe noch. Ich könnte dir eine aufschlussreiche Geschichte über Albland erzählen. Womöglich ist sie lebenswichtig.“
Misstrauisch lehnte Mikael sich zurück. Lebenswichtig. Seine Neugierde flackerte.

Andererseits konnte Torge schwindeln. Dann wären seine Worte vollkommen wertlos. Nichts als ein paar leere Geschichten.
„Hat diese Erzählung etwas damit zu tun, dass du nicht über Nacht hier verweilen wirst?“
Torge grinste und verschränkte die Arme vor der Brust. „Möglicherweise.“ Er schien zu wissen, dass er Mikaels Wissbegierde gewonnen hatte.

„Weshalb so geheimnisvoll. Warum willst du es nicht mit dem ganzen Gasthaus teilen, wenn es doch lebenswichtig ist?“
„Sagen wir, auch ich erhalte gerne etwas für mein Wissen. Es mit diesem Haufen zu teilen“, er deutete um sich, „wäre Verschwendung.“

Mikael seufzte innerlich. Des Fremden Worte machten ihn nur noch neugieriger. „In Ordnung. Doch zuerst muss ich mich um die anderen Gäste kümmern.“ Er drehte sich um. Bevor er jedoch davongehen konnte, schnellte die Hand des anderen hervor und packte ihn am Arm. Der Griff war schmerzhaft fest. “Lass dir nicht zu viel Zeit. Ich bleibe nicht mehr lange. Und ich werde meine Geschichte nicht zuerst preisgeben.“

Zwei bediente Tische später war Torges Bestellung an der Reihe. Mikael stellte eine Schüssel Getreidebrei und das Bier vor ihn. Danach setzte er sich zu Torge. Dieser nickte und begann auch gleich, den Brei zu löffeln.

Noch etwas unwillig begann Mikael zu erzählen. Es ärgerte ihn, sich den Bedingungen des anderen zu fügen.
„Das Monster, von dem ich nun erzähle, ist echt. Die Geschichte trug sich in Güldenstadt, einer prächtigen Stadt in Hebreich, zu.“ Mikael hielt kurz inne, um seine Gedanken zu sortieren. Die Geschichte, die er damals erzählt bekommen hatte, war recht eigenartig. Er beschloss, sie zu vereinfachen.

„Im Sumpf nahe der Stadt verloren die Leute ihren Verstand. Eine Kreatur raubte ihn den armen Seelen. Die guten Leute gingen in den Wald und wenn sie wieder herauskamen, wussten sie nicht mehr, was sie sehen, was sie hören. Sie redeten wirres Zeug. Egal wohin sie sich auch wandten, egal wie weit sie gingen, sie konnten ihre Sinne nicht wiederfinden.“ Mikael merkte, wie er sich warm redete und unterbrach sich. Das sollte genügen. „Selbst heute noch soll das Untier arme, unvorsichtige Wanderer überfallen.“ Er lehnte sich zurück.

Torge runzelte die Stirn. „Das ist alles?“
„Hier erzählen Reisende ihre Geschichten. Da finden sich nur Andeutungen und Prahlerei.“
„Ist jener, der dir das erzählt hat, weitergereist?“
„Aber nein. Er wollte uns zwar wieder verlassen, doch stattdessen ist er direkt in den Fluss gelaufen. Seine Augen waren wohl schlecht. Und gehört hat er auch nicht, wie ihn jemand zurückrief und warnte.“ Mikael zögerte und rieb sich den Arm.

„Und das wurde dir auch erzählt?“
„Sicher.“ Es war eine seiner schlimmsten Erinnerungen. Rasch schüttelte er sie ab. „Doch nun erzähle du.“

Torge musterte ihn noch einen Augenblick. Er schien abzuwägen, ob Mikael ihm etwas vorenthielt. Dann lehnte er sich seinerseits nach vorne und senkte die Stimme. „In Albland wurde der König gestürzt. Der neue Herrscher erlässt neue Gesetze. Wer gegen sie verstößt, wird grausam bestraft. Es heißt, seinen Urteilen werden noch mehr Menschen zum Opfer fallen als dem blutigen Grenzkrieg vor vielen Jahren.“

Mikael erschauderte unwillkürlich. Das war eine schreckliche Vorstellung. Dennoch sollte es ihn nicht weiter sorgen. Regierungen wechselten. Das interessierte in den Grenzdörfern keinen.
„Worum es genau geht, weiß ich nicht“, fuhr Torge fort. „Vermutlich sucht er die Weltherrschaft, denn die Albländer haben begonnen, die Grenzdörfer niederzurennen. Sechs sind schon gefallen. Zwei fehlen noch.“

Mikael zweifelte seine Worte sofort an. „Wir hätten davon gehört.“ Die Grenzdörfer am Roten Fluss anzugreifen, käme einer Kriegserklärung gleich. Albland war viel zu klein, um es mit dem weitläufigen Hebreich aufzunehmen.

„Wirklich? Ich bezweifle, dass sich solch eine Neuigkeit binnen eines Tages so weit verbreitet.“ Torge grinste und Mikael ärgerte sich, dass es ihm so wenig auszumachen schien, dass die Grenzdörfer angegriffen wurden. Wenn es denn der Wahrheit entsprach. Er suchte in den Augen des Fremden nach einer Lüge. Aber war sich unsicher.

„Da wundere ich mich doch, weshalb du noch hier bist und nicht weiterreist“, stieß er hervor.
„Eine Mahlzeit im Trockenen und eine spannende Geschichte sind immer etwas Gutes. Zudem mache ich mir keine Sorgen.“

Eine Pause entstand.

Schließlich stieß Mikael trotzig die Luft aus. „Eine lächerliche Geschichte.“
„Nun, es ist nicht meine Schuld, dass du nicht auf Politik erpicht bist.“
Dem war nichts mehr hinzuzufügen. Mikael erhob sich und wendete sich wieder anderen Gästen zu. Es war undenkbar, dass die Albländer sie angriffen. Der Rote Fluss war schon seit vier Generationen die Grenze zwischen Hebreich und Albland.

Irgendwann räumte er auch Torges Geschirr ab. Die Stimmung wurde ausgelassener, je mehr Zeit die Gäste hatten, sich mit alkoholischen Getränken zu füllen und die Anwesenheit des Fremden zu verdrängen. Mikael war schon dabei, Torges Worte als unwichtig abzutun, als er bemerkte, wie dieser sich erhob und ging.

Unsicher, was er tun sollte, ging er zum Fenster. Ein unbehagliches Gefühl der Gefahr lag in der Luft und Furcht stieg in ihm auf. Seine Finger verkrampften sich.
Er sollte die Anderen warnen. Wenn die Albländer wirklich drohten, das Dorf niederzubrennen, dann mussten sie… was mussten sie? Was wusste er schon? Nur weil dieser Fremde mitten in der Nacht aufbrach, hatte das noch lange nichts zu bedeuten.

So würden das alle sehen. Sie würden lachen und behaupten, er hätte mal wieder vom Bier getrunken.
Nein, diese Schmach wollte er sich ersparen. Er würde nichts sagen!
Sein Blick ruhte auf der Türe.
Abwarten würde er allerdings auch nicht.

 

Kalte Nachtluft umfing Mikael, als er die Türe hinter sich schloss. Seine Armhaare richteten sich zu einer leichten Gänsehaut auf. Die letzten Farben des Tages verblassten am Horizont.

Er sah nach Westen, am letzten Hof auf Alblandseite vorbei zur Furt, die auf die Hebreichseite führte. Auf jener Seite lagen nur drei Höfe. Er wendete seinen Blick nach Osten. Die Übrigen acht der insgesamt elf Höfe lagen alle auf Alblandseite, ohne Ordnung in der Landschaft. Der letzte Hof grenzte direkt an die Anhöhe, auf der sich ein dichter Wald erhob.

Von dort würden sie kommen. Falls sie kamen.
Mikael versuchte, in der Dunkelheit des Waldes Lichter auszumachen. Doch der Wald lag nur träge wie ein großer schwarzer Hund auf der Anhöhe.

Unsicher ging Mikael einige Schritte auf den Wald zu. Wenn stimmte, was der Fremde sagte, war dies die falsche Richtung. Wenn stimmte, was er sagte, sollte Mikael das Dorf verlassen. Obwohl es das einzig logische Ergebnis seiner Überlegungen war, schien es Mikael undenkbar. Dunkelfurth war seine Heimat. Er war dort geboren. Er hatte immer angenommen, dort seinen Lebensabend zu verbringen. Er kannte nichts sonst. Nichts außer Geschichten.

Er blieb stehen und seufzte. Wollte er fort, war er auf Hilfe angewiesen. Seine Eltern würden ihm nicht glauben. Sie würden ihn womöglich sogar zurückhalten. Im würde nichts übrigbleiben, als den Fremden um diese Hilfe zu bitten.

Mit einem mulmigen Gefühl im Magen drehte Mikael sich um und rieb seinen Arm. Oder hatte er ihn womöglich längst verpasst?
Nein. Er führte soeben erst das Pferd aus der Stallung.

„Torge!“, rief Mikael den Namen des Fremden. Dann trat er rasch an ihn heran und bat ihn, ihn mitzunehmen. Nur ein kurzes Stück.
Mikael konnte das Gesicht seines Gegenübers nur schwer erkennen. Doch er meinte ein überraschtes Lächeln zu sehen.
„Warum sollte ich das tun? Solltest du nicht lieber dieses kleine Dorf warnen?“
„Du sagtest, hier werde alles niedergebrannt, oder nicht? Wie sollte ich das ändern? Und was kümmern mich die Anderen“, stieß Mikael, von plötzlicher Furcht getrieben, hervor.

Torge schüttelte ungläubig den Kopf. „Deine Worte sind herzlos. Ich sehe nicht, weshalb ich mir einen Klotz ans Bein binden sollte.“ Er deutete auf den Wald hinter Mikael. „Siehst du die Lichter nicht, die dort draußen flackern. Längst ist es zu spät für dich, diesen Ort zu verlassen.“ Damit schwang Torge sich auf sein Pferd und ließ es ohne große Hast davon trotten.

Mikael spürte, wie seine Kehle eng wurde und sich Schweißperlen auf seiner Stirn bildeten. Nur langsam schaffte er es, sich umzudrehen.

Der Wald war nicht mehr still und dunkel. Goldener Schein – es mussten Fackeln sein – war zu sehen und leise drangen Stimmen daraus hervor.
Sie waren nah.
Mikaels Herz raste. Er warf sich herum und rannte los.
Torge hatte nicht gelogen. Und der Fremde war noch nicht fort. Er durchquerte gerade erst die Furt.

Hufgetrappel ertönte hinter Mikael. Er sah sich nicht um. Er rannte weiter.
Inmitten der Nacht erleuchtete Dunkelfurth in feuerrotem Glanz. Die ersten Höfe wurden in Brand gesteckt. Die Ziegen blökten, die Schweine quiekten, die Hütehunde bellten und winselten. Menschen eilten aus den Höfen und schrien. Mikael sah seinen Vater hinter dem Schweinefritz aus dem Wirtshaus treten, als er einen Blick über die Schulter warf und innehielt.

Er hätte etwas sagen sollen. Er hätte sie warnen müssen. Es war zu spät.

„Ihr da“, rief der Schweinefritz den Reitern zu und schwankte. Er fiel wenige Schritte weiter den Boden. Ein Pfeil surrte heran. Er bohrte sich in die Brust des Schweinefritz. Ließ ihn röcheln.
Mikael zuckte zusammen. Verwirrt sah er auf das Blut, das aus der kleinen Wunde quoll.

„So lauf doch, Junge!“, brüllte sein Vater der Wirt, ehe er sich den Albländern entgegenstellte.
Mikael bezähmte seine Angst und hechtete weiter.
Einer der albländischen Reiter verkündete mit lauter Stimme, die durch ein Sprechrohr verstärkt wurde: „Ihr wurdet gerichtet und für schuldig befunden. Nach dem ersten Paragrafen der neuen albländischen Gesetze verdient ihr die höchste Strafe.“

Einige Reiter drängten sich zwischen die Gäste des ZUM ROTEN FLUSS und schlugen wild um sich. Angstvolle Schreie ertönten.
Mikael duckte sich und versuchte weiter Richtung Hebreich zu kommen. Er blickte zur Furt. Dahinter lag sein Ziel.
Eines der Pferde tänzelte unruhig. Als Mikael sich hinter ihm vorbeischieben wollte, um dessen Reiter zu entgehen, erschrak es und trat aus.

Mikael spürte einen stechenden Schmerz im Oberschenkel und knallte kurz darauf zu Boden. Tränen traten in seine Augen.  Krampfhaft umfasste er sein Bein. Hinter ihm sprang das Feuer auf das Gemeindehaus über. Rauch kratze in seiner Kehle. Er durfte nicht liegen bleiben. Er musste aufstehen. Benommen richtete er sich auf, doch schon beim ersten Schritt schoss unerträglicher Schmerz in sein Bein und er knickte ein.

Vor Schmerz nahm er kaum noch seine Umgebung wahr. Mit zusammengebissenen Zähnen richtete er sich wieder auf. Mühsam humpelte er weiter. Wurde angerempelt und strauchelte.
Plötzlich schob sich ein Pferdeleib vor ihn. Erschrocken zuckte Mikael zurück.

Erst da sah er, dass kein Reiter mehr auf dem Tier saß. Das war seine Gelegenheit. Er griff dem Tier in die Zügel und wurde von der schwungvollen Kraft des Tiers mitgezogen, als es versuchte, sich zu entwinden. Erst im zweiten Moment schien es zu bemerken, dass da nur ein Mensch stand, der es festhielt.

Mikael versuchte sanft auf es einzureden, während seine Stimme hoch und voller Furcht war. Er streichelte es vorsichtig am Hals, in der Hoffnung es etwas zu beruhigen, und zog sich mühsam auf seinen Rücken. Mehr hängend als sitzend zeigte er dem Pferd die Richtung.

Es trabte tatsächlich los. Mikael atmete erleichtert aus, da ließ ihn der brennende Schmerz in seinem Bein aufstöhnen. Bei den schaukelnden Bewegungen rieb sein Bein am Sattel und Mikael verkrampfte seine Finger vor Schmerz in der Mähne des Tieres.

Er hob seinen Blick und sah Torge auf der anderen Seite der Furt. Gleich würde er weg sein. Furcht griff nach Mikael. Er holte tief Luft und rief Torge beim Namen. Dabei rutschte er fast aus dem Sattel.

Angstschweiß ließ seine Kleidung an seinem Leib kleben. Der pochende Schmerz in seinem Bein schien unerträglich. Er wollte nicht sterben.


 

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